Zeit der Wespen
In »Zeit der Wespen« führt uns Alena Mornštajnová zu Bára und dem Vogelfreund. Beide Figuren haben auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam, außer: einer Vergangenheit, die noch immer schwer auf ihren Schultern lastet. Der Vogelfreund, der eigentlich Miroslav heißt und Einzelgänger ist, meidet nicht nur die Menschen, sondern zieht die Gesellschaft des Waldes und der Vögel vor. Bára, die in ihren alten Heimatort zurückgekehrt ist, sucht nach einem Weg, ihre Vergangenheit zu ändern. Alena Mornštajnová nimmt beide Schicksale und verknüpft diese auf besondere Weise miteinander.
Werbung, Rezensionsexemplar
»Zeit der Wespen« wirkt auf den ersten Blick ruhig, doch unter der Oberfläche brodelt es: Alena Mornštajnová erzählt von menschlichen Abgründen, häuslicher Gewalt, Mobbing und Depressionen. Sie führt uns durch mehrere Erzählstränge und zeigt, wie schnell ein Gefüge brechen – und wie schnell die heile Welt kippen kann. Wir begegnen Ungerechtigkeit und Grausamkeit – aber auch Stärke und Verbundenheit. Sowohl der Vogelfreund als auch Bára sind mir über die 300 Seiten hinweg mehr und mehr ans Herz gewachsen. Alena Mornštajnová ist definitiv nicht unbegründet einer der erfolgreichsten tschechischen Schriftstellerinnen – der Roman lebt von einer psychologischen Feinheit, einer ruhigen, aber dichten Atmosphäre, und von Figuren, die einem immer näher kommen und die man irgendwann nicht mehr gehen lassen möchte.
Die größte Stärke lag für mich in der unterschwelligen Spannung – anfänglich fragte ich mich, wo es hingehen würde. Fragte mich, warum dieses Buch andere so begeistert. Wenig später klebte ich aber schon an den Seiten, sodass der erste Gedanke des Tages diesem Buch galt – und das heißt schon etwas.
»Ich glaube, ich wäre eine Hortensie. Empfindlich gegenüber dem Boden, mit wechselnder Blütenfarbe, bei richtiger Pflege reich blühend und mit einer kleinen Dosis Gift im Körper.«
Wer auf der Suche nach einem sprachlich ruhigen, aber eindringlichen Roman ist, darf sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Für mich ein Jahreshighlight.