Von hier bis zum Anfang
Was für ein überragendes Buch.
Eigentlich gibt es nicht viel mehr zu sagen. Dieser eine Satz würde vollkommen ausreichen, um alles auf den Punkt zu bringen, was ich beim Lesen empfunden habe. Falls euch das aber noch nicht überzeugt, kommen hier ein paar weitere Zeilen:
Das war mein erstes Buch von Chris Whitaker – und spätestens jetzt weiß ich, dass ich jedes andere Buch ebenfalls von ihm lesen werde.
Was mich an diesem Roman meisten begeistert hat, sind die fein ausgearbeiteten Figuren. Wir springen zwischen ihnen hin und her – wechseln die Perspektiven und lesen aus der Sicht eines Polizisten, um plötzlich wieder bei der Sicht eines Kindes zu landen. Erstaunlich, wie gekonnt Whitaker den Ton, die Atmosphäre und die Sprache seiner Figuren verändert. Besonders beeindruckt hat mich, wie glaubwürdig er die Sicht eines jungen Mädchens aufs Papier bringt. Dazu kommt diese geladene, melancholische Atmosphäre – ein Amerika, das so heute vielleicht hauptsächlich nur noch in Romanen und Filmen existiert und gerade deshalb so faszinierend wirkt. Chris Whitaker versteht sich darauf, komplexe Handlungen aufzubrechen, diese detailreich und spannend zu einem Strang zu verknüpfen, unvorhersehbare Wendungen einzubauen und dabei die Emotionen der Leser und Leserinnen zu wecken.
Wenn ich einen Kritikpunkt nennen müsste, wären das die Nebenfiguren. Ich kann nur für mich sprechen, aber diese verschwammen für mich während des Lesens. Nicht alle, aber einige Figuren konnte ich nicht auseinanderhalten, bekam kein klares Bild, kein nennenswertes Detail, womit sie für mich besonders herausgestochen wären und sich von den anderen Randfiguren abgegrenzt hätten. Einige kritisieren außerdem, dass die Geschichte zu gewollt wirke und der Schreibstil langatmig sei. Für mich war dieser eher fesselnd, eindrücklich und bildhaft.
Empfohlen hat mir das Buch eine Freundin. Mitten im Gespräch hat sie mir das Buch zugesteckt und mir versprochen, dass es mich aus einer Leseflaute holen würde. Sie hatte Recht!