Ochsenkopf
Manch einer wagt keinen genaueren Blick hinter die Fleischtheke. Manch einer wandelt zwischen den sicheren Supermarktgängen umher, schielt zum niedrigsten Preis und greift ungehemmt zu. Doch sobald wir dieses Buch aufschlagen, lassen wir uns auf etwas Neues ein und betreten die Hallen einer Metzgerei.
Werbung, Rezensionsexemplar
Wir lesen aus der Sicht von Rensing Junior; eines Jungen, der dieses Handwerk in die Wiege gelegt bekommt und über die Jahre die Metzgerei seiner Familie fortführt – im Kampf gegen die Supermärkte, die das Fleisch zum Spottpreis anbieten. Seine gesamte Leidenschaft dreht sich um die Herstellung von qualitativ hochwertigem Fleisch. Es ist ein Wahn, den wir verfolgen. Eine Leidenschaft, die keine Grenzen kennt.
Ja, es geht um Fleisch. Ja, man liest, wie Tiere getötet werden. Ja, das Handwerk wird ab und zu bis ins kleinste Detail beschrieben. Doch da steht noch sehr viel mehr zwischen den Zeilen. Sakar stellt die industrialisierte Fleischproduktion dem traditionellen Metzgerhandwerk gegenüber und fragt: Wie viel sind wir bereit zu zahlen? Wie bequem wollen wir leben? Wie gehen wir mit Veränderungen um? Wissen wir Handwerk und Qualität noch zu schätzen, oder rennen wir lieber jede Woche in den Supermarkt und schmeißen das nächste Stück Billigfleisch in den Einkaufswagen?
Dieses Buch wird nicht jedem gefallen. Ich persönlich musste ein paar mal schlucken. Selbst als gelegentliche Fleischesserin ist es heftig. Selbst, wenn jemand aus dem direkten Umfeld dieses Handwerk erlernt hat. Besonders, da ein paar Zeilen schon sehr explizit werden, der Schreibstil aber konsequent nüchtern und präzise bleibt. Da hilft nur aushalten – oder drüber lesen. Von Seite zu Seite werden wir direkt mit unserem Konsumverhalten konfrontiert. Unbequem, klar. Aber notwendig.
Manik Sakar schafft mit diesem Buch etwas ganz Besonderes. Er packt uns, schüttelt und rüttelt uns durch und lässt uns mehr als einmal die Kinnlade herunterklappen. Für mich eine echte Entdeckung in diesem Jahr.