Yesteryear

Natalie Heller Mills ist schwanger mit dem sechsten Kind, Tradwife und erfolgreiche Momfluencerin. Dabei sehen ihr Millionen von Followern tagtäglich zu, wie sie ihr perfektes Leben auf der perfekten Farm lebt: Nichts scheint Natalie Heller Mills zu misslingen. Alles ist perfekt – solange die Kameras an sind.

Doch als Natalie sich eines Tages plötzlich im 19. Jahrhundert wiederfindet, beginnt für sie ein Fiebertraum. Kein Internet, kein Content-Team, keine Nannys, kein luxuriöses Leben mehr, nur eine ganz andere, harte Realität – nämlich jene, die sie ihren Followern immer vorgespielt hat, tatsächlich zu leben.

Zwei Handlungsstränge, zwei lose Enden, die sich so perfekt finden, dass es einem am Ende die Sprache verschlägt. Mit Caro Claire Burkes Roman bekommt man eine Gesellschaftssatire vom Feinsten: Themen wie der Tradwife-Trend oder der Social-Media-Wahn werden gekonnt aufgegriffen, ausgeschmückt und anhand einer absolut genialen und unzuverlässigen Erzählerin auseinandergenommen. Besonders beeindruckend sind dabei aber nicht nur ihre Figuren, sondern diese vielen möglichen Interpretation, die sich aus deren Handlungen ergeben. Das hier ist so ein Buch, das einen noch lange nicht loslässt, nachdem man es beendet hat.

Mit »Yesteryear« bekommen wir eine perfekt ausgebaute Scheinwelt, eine Kritik an der digitalen Selbstdarstellung und der Manosphere, eine Bandbreite gut angestimmter Wendepunkte und eine Atmosphäre, die zwar verstörend unangenehm, gleichzeitig aber absolut fesselnd daherkommt. Auch wenn die letzten Szenen für meinen Geschmack ein wenig überstürzt wirken, gibt es der Geschichte trotzdem ein rundes Ende. Ein gesellschaftskritischer Roman, der nicht umsonst so viel diskutiert wird.


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