Tage am Fluss
Sara Harmsen ist eine Eigenbrötlerin wie sie im Buche steht und vereint einige Stereotype: Sie lebt zurückgezogen auf ihrem Hof am Fluss, trägt ein tiefes, dunkles Geheimnis in sich, mag nur wenige Menschen und zieht die Gesellschaft ihres Hundes Luna vor. Sofern der Wasserpegel es zulässt, fährt sie die Menschen mit ihrer Fähre von der einen auf die andere Uferseite. Der Wendepunkt folgt, als ein junger, verletzter Mann auf ihre Fähre flüchtet und sich die Drohungen der Ortsbewohner, eine Brücke auf ihrem Land bauen zu wollen, zuspitzen.
Werbung, Rezensionsexemplar
In »Tage am Fluss« lesen wir von Trauer, Zweifeln, tiefer Freundschaft und ebenso tiefen Wunden. Wir bekommen ein Sommerbuch, das kein typisches Sommerbuch ist – Mariss lässt uns als allwissender Erzähler von zwei so unterschiedlichen Figuren lesen, die sich erst auf den zweiten Blick wunderbar ergänzen: Sara als Figur ist rau, hitzig und mit ihrem Stück Land tief verwurzelt. Leon dagegen ist feinfühlig, nachdenklich und sucht noch, etwas schwankend, seinen Platz im Leben. Fast wie zu erwarten, entfaltet sich eine Freundschaft zwischen Sara und Leon. Diese ist zunächst durch Misstrauen und Zweifel durchzogen, doch Mariss zeigt eindrücklich, wie sich diese mit der Zeit verfestigt. Er fängt uns dabei mit seiner Atmosphäre ein, sodass man tief eintauchen kann – in dieses Land und die Geschichte als Ganzes. Mariss‘ Sprache ist dabei klar und schafft lebendige Bilder von einem Leben inmitten der Natur.
Die Verbindung zwischen Leon und Sara wird authentisch dargestellt, aber noch mehr konnte mich Mariss durch die Beziehung zwischen Sara und ihrem Hund überzeugen. Leider flachte dies im zweiten Drittel wieder ab, da für mich hier einige Passagen nicht glaubwürdig genug dargestellt wurden. Nichtsdestotrotz bekommen wir ein Buch, das wunderbar entschleunigt und unterhält. Mutmachend und einfühlsam – und somit empfehlenswert. Auch wenn wenige Beschreibungen zu gewollt wirkten und für meinen Geschmack doch zu viele Klischees vorkamen, konnte mich die Geschichte alles in allem überzeugen.