Das Ministerium der Zeit
Mit »Das Ministerium der Zeit« gelingt Kaliane Bradley ein außergewöhnliches Debüt, das Science-Fiction, Liebesgeschichte, Spionageroman und Gesellschaftskritik auf originelle Weise miteinander verbindet.
Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft, in der ein geheimes britisches Ministerium Menschen aus der Vergangenheit in die Gegenwart holt. Die namenlose Erzählerin übernimmt die Aufgabe, den Polarforscher Commander Graham Gore – der historisch eigentlich 1847 ums Leben gekommen ist – in das moderne Leben einzuführen.
Was zunächst wie eine humorvolle Zeitreisegeschichte beginnt, entwickelt sich schnell zu einem vielschichtigen Roman über Identität, Kolonialgeschichte, Macht und die Frage, wie Vergangenheit und Gegenwart einander beeinflussen. Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen der Protagonistin und Graham Gore. Ihre Gespräche sind geprägt von Humor, gegenseitiger Neugier und Tiefe, ohne dabei kitschig zu wirken.
Bradleys Schreibstil ist anspruchsvoll, intelligent und voller subtiler Anspielungen. Allerdings fordert genau dieser Schreibstil auch einiges Geduld: Die Handlung nimmt sich Zeit für philosophische und politische Reflexionen, wodurch das Erzähltempo stellenweise etwas langsam wirkt. Wer eine klassische Science-Fiction-Geschichte mit viel Action erwartet, könnte daher enttäuscht sein. Stattdessen stehen die Figuren, ihre Beziehungen und moralische Fragen im Mittelpunkt.
Insgesamt ist »Das Ministerium der Zeit« ein origineller und kluger Roman, der so einige Genregrenzen überschreitet. Er regt zum Nachdenken an und bleibt auch nach der letzten Seite im Gedächtnis. Besonders Leserinnen und Leser, die literarische Science-Fiction mit gesellschaftlichem Tiefgang mögen, werden an diesem Buch ganz bestimmt Freude haben.