Porträt einer Ehe

Lange habe ich mich an keinen Roman von Maggie O’Farrell getraut, denn die Erwartungen waren unsagbar hoch. Genauso hoch wie die imaginäre Staubschicht, die sich auf dem Buch sammelte, während ich auf den perfekten Lesezeitpunkt gewartet habe. Vor gut zwei Wochen habe ich aber einmal tief Luft geholt, den Staub weggepustet und das Buch aufgeschlagen. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nun mal nicht immer. Und was soll ich sagen? Vielleicht: Schade, dass ich so lange gezögert habe. Und: Ich möchte jetzt alles von Maggie O’Farrell lesen, denn ich habe eine neue Lieblingsautorin gefunden.

Fiktive Geschichten, die wahre Elemente enthalten, mag ich besonders gerne. In »Porträt einer Ehe« habe ich mich dann und wann gefragt, was davon wahr und was davon frei erfunden ist – oder, ob ich mich sogar irgendwo dazwischen befinde. Nach der Lektüre bin ich eine ganze Weile tief in der Recherche rund um die reale Lucrezia di Cosimo de’ Medici versunken. Ich würde also behaupten, ich habe diese Geschichte geliebt.

Vor allem die Sprache und die Bilder, die Maggie O’Farrell damit erzeugt, haben es mir angetan. Mit glaubwürdigen, detailliert ausgearbeiteten Figuren und einer dichten Atmosphäre führt uns Maggie O’Farrell nach Florenz in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zu der Familie Medici. Dort treffen wir auf Lucrezia, die als 12-jährige mit dem Herzog von Ferrara, Alfonso, verheiratet – und fortan ein anderes Leben führen wird. Dieses Leben begleiten wir, zumindest ein paar wenige Jahre, bis zu ihrem Tod. Gerüchten zufolge sei sie damals von ihrem Ehemann ermordet worden.

Wie Maggie O’Farrell dieses Motiv des Mordes aufgreift, ist beeindruckend. Sie stellt dieses Gerücht an den Anfang einer Geschichte und als Leser:in fragt man sich Seite für Seite, wie dieses Leben, dieser Roman wohl ausgehen wird. Wird O‘Farrell sich an die bekannten historischen Tatsachen halten, oder überrascht sie uns? Genauso wurde die Spannung geschaffen, die bis zum Ende erhalten blieb, ja, sich sogar im Laufe des Romans zuspitzte. Für mich ein absolutes Highlight, das ich euch sehr empfehlen kann.



Zurück
Zurück

Unshame

Weiter
Weiter

Angeklopft bei Anne Freytag